Die nationale Identität

 

Sind wir eine Nation?

 

 

   

 Die assyrische Nationalfrage, die Frage der assyrischen Nation und die völkische

Zusammensetzung der östlichen Christen, werden von der Forschung und in

akademischen Diskursen gegenüber sozialen und politischen Problemen im

Nahosten vernachlässigt.

In der Zeit der Identitätskrise und der Popularität nationaler Fragen, stellen sich

innerhalb unseres Volks Fragen wie: Sind wir eine Nation? Warum sind wir eine

Nation? Oder welche Nation sind wir? Sind wir ein Volk? Ich stelle noch die Frage:

Woher nehmen wir den Anspruch eine Nation zu sein? Ich versuche in diesem

Aufsatz in die Begrifflichkeit einzugehen sowie auf die Faktoren die eine Nation

ausmachen, zugreifen und diese auf ihrer Existenz prüfen. Und gehe

selbstverständlich auch auf die anderen gestellten Fragen ein.

Unscharfe Verwendung von Begriffen wie Nation, Volk sowie Glaube und Kirche. Ich

bleibe mit diesem Teil der Abhandlung bei der Begrifflichkeit und der Definition des

Begriffes.

Nun "Der Begriff Nation“ kann begrifflich eine Abstammungsgemeinschaft

bezeichnen, doch wird auch als „zumeist für eine durch gemeinsame Traditionen,

Sitten oder Gebräuche definierte Gruppe von Personen mit Anspruch auf staatliche

Souveränität verwendet“ 1

Laut Benedict Anderson: „eine vorgestellte politische Gemeinschaft – vorgestellt als

begrenzt und souverän. Vorgestellt ist deswegen, weil die Mitglieder selbst der

kleinsten Nationen die meisten anderen niemals kennen, ihnen begegnen oder auch

nur von ihnen hören werden, aber im Kopf eines jeden Vorstellung IHRER

Gemeinschaft existiert“ 2

Doch um diese Definition zu verdeutlichen gehe ich auf den Begriff Volk ein. K.W.

Deutsch identifiziert Volk als „ (...) eine Abstammung von Individuen, die schnell und

effektiv über Distanz hinweg und über unterschiedliche Themen und

SACHVERHALTE miteinander kommunizieren können“3. Bei Kommunikation liegen

ihm die gemeinsame Sprache und ein Bestand von geteilten Bedeutungen und

Erinnerungen zu Grunde. Auch hier verstehen, Soziologen den Begriff Volk anders

als Juristen, die darin das Staatsvolk verstehen, und dadurch durchaus unser Volk

nach dieser juristischen Vision nicht als Volk zu verstehen ist. Da wir keinen eigenen

Staat besitzen, was sicherlich unser gutes nationales Recht ist.

Doch hier von einem Volk der Kirche und Kirchenvolk zu sprechen, ist politisch und

soziologisch falsch, da unser Volk mehreren Kirchen angehört und so ein Begriff uns

in mehreren Völkern teilen kann. Obgleich die Kirche keine politische Vertretung des

„Volkes“ übernehmen kann und diese auch nicht beanspruchen darf.

Die Abstammungsgemeinschaft? Gemeinsame Vorfahren? Gemeinsame

Traditionen, Sitten und Gebräuche sowie gemeinsame Geschichte sind

entscheidende Faktoren für die Definition einer Nation. Nation wird als ethnische

Homogenität (als "Volk"), aber auch als Stamm (Stammesvolk, früher Völkerstamm)

verstanden.

Diese Definition der Nation geht von der gemeinsamen Abstammung der

Angehörigen der Nation und einer daraus resultierenden Kultur- und Spracheinheit

aus. Die Vorstellung vom ethnisch homogenen Nationalstaat, die ein wichtiger

Bestandteil unserer pan-mesopotamistischen Gedanken und das Ziel der

Befreiungsbewegung war, gipfelte jedoch im 20. Jahrhundert in verschiedenen

ethnischen Säuberungen und darunter gewiss der Seyfo im osmanischen Reich.

Bei der "Homogenität der Kultur“ steht in der Wikipedia: „Nation ist in dieser

Ausformung Homogenität der Sprache und Tradition (Kulturnation). Nation ist dann

die durch die Geschichte bewahrte Einheit in Sprache, Kultur und Traditionen

(zahlreiche Überlappungen mit dem in der Romantik geprägten "Volks-Begriff). Sie

lässt sich nicht durch territoriale Grenzen definieren. Dies gilt für die Kulturnation

Deutschland, ebenso für andere überstaatliche nationale Gemeinschaften.“

Die Definition der Nation nur im Rahmen der staatlichen Existenz ist eher ungenau,

da es Staaten gibt, die durchaus keine Nationen bilden, wie Spanien, Irak oder früher

Jugoslawien oder viele andere Vielvölkerstaaten. Es wir sogar über Vielnationenstaat

gesprochen.

„Chaldäer und Assyrer haben all das gemeinsam, was sie zu einem Volk macht. Sie

sprechen eine gemeinsame Sprache, haben dieselbe kulturelle Identität, dasselbe

kulturelle Erbe und die gleichen Traditionen, dieselbe Geschichte, dieselben Dörfer

und demographischen Regionen. Was kann ich noch als Gemeinsamkeit benennen?

Dieses EINE Volk ist trotzdem zersplittert. Die unterschiedlichen Namen

Assyrer/Chaldäer/Syrer sollten unsere Einheit nicht gefährden“.4

„Die assyrische Nation ist eine besondere Nation und besitzt eine eigne Sprache,

Kultur, Geschichte, Land, Grenzen und Wille5

Joseph Jacob will damit die wesentlichen wissenschaftlichen Faktoren die eine

Nation ausmachen, und eine Identitätsbildung auf der Basis dieser gemeinsamen

Faktoren nennen.

Ich beabsichtige in mehreren Beiträgen auf die Faktoren detailliert eingehen, auf

deren Basis die Identitätsbildung geschaffen wird und diese, sowie die Faktoren, die

unsere Nation ausmachen analysieren.

Sicherlich gibt es innerhalb unseres Volkes verschiedene Denkrichtungen über

dieses Thema, sowie darüber, woraus sich unsere Nation bildet. Ich werde deshalb

einige dieser Denkrichtungen in meiner Analyse abhandeln, um auch die

Gegensätze zu verdeutlichen, und es zu beweisen, dass unsere Nation diese

Gegensätze überbrücken kann.

Vordringlich für heute sehe ich die umfassende Information der jungen Menschen

über Ihre Nation und nationale Identität, sowie gezielt den Nationalbewusstsein

erwecken, doch ohne Hass und Extremismus. Ich plädiere hier für einen Patriotismus

im mesopotamischen Sinne und meine den Pan-Mesopotamismus. Doch dies alles

reicht nicht aus. Der Einsicht in die Notwenigkeit eines gesunden

Zusammengehörigkeitsgefühls und die professionelle Zusammenarbeit der

gesellschaftlichen Institutionen in dieser Hinsicht müssen aufeinander abstimmen.

 

 

Raif Toma

Dez./2008

 

 

 

 

1 Wikipedia, Stand 27.11.2007

2 Christian Lammert, Nationale Bewegungen in Québec und Korsika 1960-2000, Campus, 20004 Ffm. S. 18.

3 Seite 204

4 Pfarrer Emanuel Youkhana in einem Interview mit Sarah Reinke für die GfbV, Göttingen 29.Juno.2005

5 Dr. Joseph Jacob, sein Vortrag „die internationale Anerkennung des assyrischen Volkes“ in Södertalije/Schweden, am

06.12.1987.

 

 

 

 

 

 

 

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Artikel von Aryo Makko

"Geschichtsbilder, der Begriff der „Aufklärung“ und die Kleriker":

http://www.bethnahrin.de/Startseite/091222ArtikelAryo

 

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Unumgänglich ist die Wirklichkeit, dass das Individuum als ein Teil der Gesellschaft zu betrachten ist. Nicht der engen konfessionellen Zugehörigkeit - die umgangssprachlich eine besondere Wichtigkeit gewann- und in besonderen Fällen als Ersatzidentität wurde, jedoch wahrhaftig und wissenschaftlich niemals zu einer nationalen Identität werden kann, sondern besonders nach dem Erwachen der jungen Generation, zu ihrer nationalen Identität, die besondere Eigenschaften hat - und zu besonderen Merkmale in der Gesellschaft werden kann. So dass diese Generation sich in den westlichen Gesellschaften gezieltintegrieren lässt - und bewusst, ihre aus der Freiheit neuentwickelte Identität in den Multikulturellen Gesellschaften aufbewahrt. So kann sich diese Generation besonders erfolgreich durchsetzen und ausweisen. Doch wir können natürlich die Grundsätze  gesellschaftlicher und politische Reformen anderer nicht als Rezepte übernehme. Denn die Entwicklung unserer Gesellschaft anders lief als die ihre - und die Fehlentwicklung unserer politischen Organisationen brachte die Gesellschaft in eine andere Ausgangsposition. Nur die in ihnen entwickelten Prinzipen einer freiheitlichen  Ordnung können in verschiedenen Situationen angewendet werden. Diese Entwicklung kann  trotzdem nicht gelingen, ohne den nationalen und kulturellen Besonderheiten unserer Gesellschaft Rechnung zu tragen.

Wir stehen vor einer gesellschaftlichen Zerreißprobe, die in der Identitätskrise und Zerfall der Werte zu beobachten ist. So spitzten sich reaktionäre Kräfte, die an unserer nationalen Zugehörigkeit zweifeln und die nationale Identität gegen eine konfessionelle oder gar kirchliche Identität austauchen. Doch diese schaffte es nie der Ersatz zu werden.

Die Konfession ist eine gesellschaftliche Wirklichkeit und eine zusätzliche Identität. Die Nationale Zugehörigkeit bietet keinen Ersatz für die religiöse und konfessionelle Zugehörigkeit, sondern bietet eine übergeordnete irdische Zugehörigkeit an - innerhalb unseres Volkes und zwar als eine homogene Volkszugehörigkeit.

Unsere ethnische Gesellschaft besteht aus mehreren gesellschaftlichen Gruppen. Unter diesen Gruppen bestehen verschiedene Beziehungen und die Menschen in diesen Gruppen organisieren sich in verschiedenen Institutionen.  

Unser Volk ist dem Nationalismus und der Entstehung der Staaten des Nahostens als Opfer gefallen.

Damit will ich nur verdeutlichen, dass sicherlich jeder von uns die Zughörigkeit zu zusätzlichen Identitäten empfindet, wie die religiöse, die konfessionelle sowie die Identität des Landes in er lebt oder auch Region- oder Dorfsabhängige Identitäten.  Doch seit den Siebzigern des letzten Jahrhunderts stellte sich die grundsätzliche Frage der nationalen Identität auf eine neue Grundlage.

Die Identität unseres Volkes wird scheinbarer, wenn die Jugend die Geschichte dieses Volkes kennt. Mit Mut und ohne Vorurteile, kann die Jugend und das gesamte Volk mit allen kirchlichen Zugehörigkeiten, seine nationale Identität wiedererkennen.

Wir sind eine nationale Einheit, doch was wird aus unserer Identität. Denn wir sind nicht nur Geburtsmesopotamier und Nachfahren der alten in einander - besonders seit der Regierungszeit König Sanharibs -  verschmolzenen mesopotamischen und syrischen ethnolinguistische Landschaft,  sondern haben eine klar erkennbare nationale Identität[1] die auch emotional nicht zu übersehen ist. Es ist jedoch eine Identitätskrise zu beobachten, die sich sogar auf die Libanesisch-Maronitische Gesellschaft ausstreckt.

Wir sind die Nachfahren der Bewohner der Reiche von Ur, Uruk, Edessa, Mari, Ugarit, Palmyra , Hatra und andere. Wir sind die Urbevölkerung Syriens, Libanons und Mesopotamiens . So in einander verschmelzt, dass die sprachliche Aramäisierung eine politische und kulturelle Assyrisierung und eine religiöse Babylonisierung (Chaldäerisierung) sowie Syriansieung (Christianisierung) begleitete. Wir sind die Nachkommen der alten Mesopotamier mit einer glorreichen und leidenvoller Geschichte, die wir kennen lernen sollen und von der wir uns beeinflussen lassen sollen. Wir sprechen die eine syrische Sprache und schreiben mit der einen Schrift und unsere Identität ist mesopotamisch mit allen syrischen und phönizischen Einflüssen.  Dies alles übertragen über die Jahrhunderte - hauptsächlich über die Traditionen der Ostchristlichen-Syrischen Kirchen.

Die Wirklichkeit von der wahren umfassenden nationalen Identität aller unserer Volksangehörigen ist ein Pan-Mesopotamismus. Alle Nachfahren der alten Aramäer , Akkader, Assyrer, Babylonier, Chaldäer und Sumerer , bilden eine Einheit durch die einheitliche Sprache und die gemeinsame Geschichte und Schicksal sowie natürlich auch durch die gemeinsamen Leiden in einem einheitlichen historischen und geografischen Gebiet seit vielen Tausenden. Diese Wirklichkeit, war eine in der Vision und Gedanken der Träger dieses Gedankengutes untrennbare Wirklichkeit. Doch auch die soziologische Struktur unserer Gesellschaft und die Rechtsbräuche der alten Kirchen und der vielen Kirchen sowie die kultischen Symbole, Gebräuche und Einrichtungen deuten alle auf diese Wirklichkeit. Die Umsiedlungen in den alten Reiche Mesopotamiens schließen eine rassische Trennung der Erzvölker dieser Reiche aus, die nur eine regionale und zeitlich begrenzte Bezeichnung hat und keine strenge geografische Trennung. Denn diese Reiche herrschten in  Mesopotamien und Syrien öfters zeitlich von einander begrenzt. Die Amtsprache in den Reichen Mesopotamiens und Syriens, war das Akkadische dann später das nahverwandte Aramäische[2]. Doch es gibt eine klare Trennung von den seit nicht langer Zeit in Mesopotamien aus den Gebirgen Irans eingesiedelten Kurden.[3] Doch auch von den vorher eingesiedelten Arabern und Türken – ganzbesonderes nach der Eindämmung der starken und gezielten Zwangsislamisierung, die mit viel Verschmelzung und Islamisierung verbunden war.     

Die Funde in Zahlreichen Städten[4] sowie einheitlichen und ähnlichen Gottheiten[5] und Götterbezeichnungen deuten auch auf die einheitliche nationale Identität einer einzigen Nation. Doch auch gemeinsame Kirchenväter[6].

Rechtlich können die Angehörigen unseres Volkes als Abkömmlinge unserer historischen Heimat, Bürger unterschiedlicher Staaten sein. Wie die Dänen, die die dänische, deutsche oder grönländische Staatsangehörigkeit haben mögen[7].

Wir können jedoch davon ausgehen, dass sich im Laufe der Zeit und der fremden Eingriffe der Araber, Perser und Römern und viel später der Kurden, und Osmanen eine Trennung, Verfremdung und Islamisierung des einen Volkes führte. Dazu kommt die vermehrten und vergrößerten kirchliche Gruppierungen[8], in örtlich von einander getrennten politischen Gebieten (persisch und römisch) auseinanderbrachen und demnach auch verschiedene Sippenverbände und Interessengemeinschaften bildeten. So können wir also annehmen, dass Jahrhunderte später mehrere Sippenverbände existierten, die sich jeweils auf die selbe Nation zurückführten. Doch noch größere politische Trennung kam zustande, durch die Gründung der neuen Staaten des Nahen Ostens[9].

Durch pan-mesopotamistischen Nationaldenken können wir eine wirkungsvolle Position zur Bildung eines starkeingeprägten Nationalbewusstseins.

Bei diesem Nationalbewusstsein kommen wir nicht um das Genozid und all die Leiden, Massaker und Verschleppung unter ihnen unser Volk litt. Denn das Genozid und all die Leiden haben uns zusammengebracht und geben uns immer wieder eine Identität des ständigen Leidens.

Die Folge davon ist, dass man hinter allen möglichen Leiden unseres Volkes ein neues Genozid sieht. Die Unterdrückung durch die Kurden im Nordirak, die frühren Repressalien und die darauf folgende Auswanderung aus dem Tur Abdin, doch auch der Bürgerkrieg im Libanon und die Folgen dieses Krieges und die der syrischen Besatzung auf das Leben unserer Ostchristen sind ein Teil des immer noch dauernden Genozids. Sogar auch  die Zwangsarabisierung und Zwangskurdisierung assyrischer Gebiete im Irak .

Der chaldäische Bischof Addai Sher sagte: „die Bewohner Mesopotamien s sind eine Nation in der Rasse und der Heimat“.

Wir wollen und sollen aus der Geschichte nicht aussteigen. Wichtig ist es auch, dass wir die Identität unserer Hochkultur hilfsbereit bejahen und dankbar sein sollen.

 

Raif Toma

 

 



[1] Die in den alten mesopotamischen Reiche als nationale Souveräne Einheit in der Staatsgebilde darstellte.                                  [2] Einige Wissenschaftler schreiben dabei schreiben dabei von einer sprachlichen Aramäisierung Babylons.                                                                                                                                                                                             [3] ´Der Ursprung der heutigen Kurden ist vielleicht noch dunkeler als der der meisten Völkerschaften Vorderasiens´ aus dem Buch das Mönchtum in Tur Abdin von Mönch Dr. Hanna Aydin                                                                                                  [4] wie (Mari, Kalach, Palmyra, Ugarit, Agade, Hadar, Amed, Edessa, Harran, Hidab, Nimrud, Nineve, Ur, Uruk, Babel und Assur sowie andere)                                                                                                                                                                       [5] In der Zeitepoche des zweiten babylonischen Reiches 610-465, war in Harran und Ur der Mondgott Sin oder Nana und der babylonische König wollte es so haben.  Auch Istar oder Istarut war überall anerkannt.  Auch der Gott Assur, war für Babylon Mardukh mit den gleichen babylonischen Gebeten.                                                                                                                              [6] Mar Ephrem, Mar Georgis, Mar Addai,MarJacob, Bar Hebräus,  und viele Andere                                                                       [7] Aus Wikipedia der freien Enzyklopädie                                                                                                                                           [8] Die nestorianische Kirche im persischen Reich und eine Mutterkirche im Römischen Reich                                                          [9] Syrien, Irak, Libanon, Türkei und Iran.

 


 

 

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ASSYRIAN IDENTITY IN ANCIENT TIMES AND TODAY

Simo Parpola, Helsinki

 
 

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·       Die Suche nach den Wurzeln des Nationalbewusstseins im Verständnis der  Heimat  bei dem Urvolk Mesopotamiens

 

 

Die kulturelle Vision, die hinnimmt, dass Mesopotamien Nyxcrhntyb (das Zweistromland)[1] als eine historische Heimat der heutigen Mesopotamier[2] ist, sieht vor, dass bei jedem existierenden politischen System, die Rechte, die Kultur, die Sprache und Traditionen dieser Urbewohner des Gebietes berücksichtigt werden sollen. 

In diesem Beitrag gehe ich auf die Wurzeln des Nationalbewusstseins und Hintergründe  der Einheit meines Volkes ein. Und warum diese Verwurzelung auch mit zu den wichtigsten Gründen und Motive zur gerechten Erlangung der nationalen Rechte unseres  Volkes ist.

 

 

 

Der Überschuss dieser Berg - und Talbevölkerung wanderte nach dem Fall der alten mesopotamischen Reiche in die Berge und Richtung Syrien im Westen. Die Heimat der Urbevölkerung Mesopotamiens heute, streckt sich weiter auf Syrien und Libanon aus, in die Ursiedlungsgebiete der alten Phönizier und der aramäischen Stämme westlich des Euphrats.

 

Gabriele Yonan beschreibt[3] die heutigen Siedlungsgebiete in dieser Form „in einem Dreieck dessen westliche Spitze das Bergland Tur Abdin in der Südost-Türkei ist, im Süden stellte die Mossul-Ebene mit vielen christlichen Dörfern die Siedlungsgrenze dar, und im Nordosten bildete das Hakkari-Gebirge einen Siedlungsschwerpunkt“. Sie bezeichnet Sie später auch als geographisch homogenes Siedlungsgebiet Obermesopotamiens.
 

Der Schriftsteller und Wissenschaftler Harry Sager beschreibt die regionale Bezeichnung des Gebietes so: „Die Bezeichnungen Assyrien und Babylon sind homogen und bedeuten ursprünglich die Bezeichnungen der Hauptreiche, des nördlichen und des südlichen in der Region.... Doch sie wurden in einer ungenauen Form benutzt, um die nördlichen und südlichen Gebiete zu beschreiben, ohne auf die politische Lage zurückzublicken, um auch Zeiten zu beschreiben vor der Existenz  Babylons“[4].

Damals war der überragende Name, Sumer für den Süden und Akkad für den Norden des Gebietes Babylon. Die sumerische Sprache blieb aber bis zur Zeitenwende die Sprache der Gebildeten, ähnlich wie es Latein im Mittelalter war[5].

Spuren der kleinen und großen Reiche, sind in Edessa (Urfa)[6], Gosan (Tell Halaf), Harran, Mari, Ugaret, Aram-Damaskus, Aram-Nahrin sowie andere Stadtstaaten. Im Süden, im Norden und Mitte des heutigen Iraks wie Kisch, Ur, Uruk und viele andere.

So sind die heutigen Syrischsprechenden, die Abkömmlinge dieser Reiche und die Erben dieser Weltkultur.

 

Der babylonische König Nabunaid, war nicht von der königlichen Familie des Nabupolasser. Denn er war Sohn eines Adels und seine Mutter, war eine hohe Priesterin des Gottes Sin in Harran. Sie stammte aus der assyrischen Königsfamilie.

In der Zeitepoche des zweiten babylonischen Reiches 610-465, war in Harran und Ur der gleiche Mondgott Sin oder die Fruchtbarkeits- und Liebesgöttin Inanna[7] - der babylonische König wollte es so haben. Dies auch beweist die Verbundenheit Mesopotamiens und deren Urbevölkerung mit einander.

 

Der Kommentar "Oxford Companion to the Bible" erklärt auf Seite 63 in seiner aus dem Jahre 1993 stammenden Ausgabe, dass der assyrische Herrscher Aschurnasirpal II 884-859 v. Chr. viele Aramäer nach Assyrien brachte, die dann die Gerichte überrannten und zu Anfang des siebten Jahrhunderts die assyrische Sprache mit Aramäisch einer semitischen Sprache als Amtssprache ersetzt hatten"[8]

 

„Seit dem Verlust und des Verschwindens der Herrlichkeit des assyrischen und des babylonischen Reiches und des Verlustes der nationalen Freiheit, ging die syrische[9] Politik in Richtung der geistlichen Administration, durch den religiösen Fortschritt. Verzichtete auf die Gründe der Wiedererlangung der weltlichen Macht, weil sie sich an den Glaube der göttlichen und an die menschliche  Liebe stürzte“[10].  

Der Bischof Michele Yatim, erzählt in seinem Buch „Geschichte der Ostkirche“ von der Entstehung einer national-patriotischen Bewegung in der zeit des Römischen Reiches mit dem Ziel des  Widerstandes gegen das Römische Reich.

 

Die Sprache; das Syrische - die Jesus Christus, ist eine besondere Eigenschaft der nationalen Zugehörigkeit und eine besondere und bereichernde Eigenschaft des syro-mesopotamischen Raumes.

 

Die Vordenker des Pan-Mesopotamismus definierten den Begriff des Vaterlandes Mesopotamien (als „Beth Nahrin“ das Zweistromland, die einheitliche Heimat der Syrer, Assyrer, Chaldäer). Als der Gelehrte Naoum Fayek aus Amed[11] in einem bekannten Lied sagte: (erwache Sohn Assurs, erwache), meinte er mit „Assur“ nicht die alte und prächtige assyrische Hauptstadt Assur, sondern Mesopotamien als ganzes, als „Vaterland der Angehörigen der syrischen Kirchen“[12].

Von der Vorstellung der Heimat, können einem Volk, weder Verfälschungen noch Repressalien abbringen. Denn diese  bewusste und intellektuelle Vorstellung von vielen, ist mit der unbewussten und emotionalen Vorstellung vieler anderen vermischt. Dies hob das Nationalbewusstsein von Anfang an von einem Symptom, zu einer unumstrittenen verwurzelten Wirklichkeit.

   

So sehe ich, dass die Verschmelzung der alten Mesopotamier unter einander und deren Verbindung als die Urbevölkerung des Landes stark ist. Dies wird durch die Verwurzelung in ihrer historischen Heimat und die Verbundenheit in der syrischen Sprache. Dies übertrug mit sich sehr viele Traditionen – auch in die Nationalkirchen und wuchs in dem Bewusstsein der Christen des syro-mesopotamischen Raumes weiter. So bietet die Zughörigkeit zu den einheimischen, Ostorientalischen Kirchen, nicht nur eine zusätzliche Identität, sondern auch eine Stärkung der nationalen Zugehörigkeit und deren Wurzeln.

 

Die Ursiedlungsgebiete des Urvolkes des syro-mesopotamischen Raumes, werden seit vielen Jahren leider von ihrem Volk rigoros entleert[13].

So haben die Massaker und Deportierungen in der Türkei am Anfang des letzten Jahrhunderts, die mehr als 500.000 Einheimischen das Leben gekostet. Die meisten der Überlebenden haben ihre Ursiedlungsgebiete verlassen und siedelten in den Süden über.

Im Irak wurden mit der Gründung des irakischen Reiches bis zu den dreißiger Jahren assyrische Christen massakriert und deportiert.

Im Libanon haben die Kriege viele syrische Christen[14] dazu gebracht, auszuwandern, dass die Ostchristen in ihrer Hochburg zur Minderheit wurden.

 

Die Kurden haben gezielt eine Verfälschung der Realität durchgeführt dem Gebiet einen neuen fremden unwahren Namen geben wollen.

Die Unruhen kurdischer Organisation im März dieses Jahres (unterstützt von ausländischen Kurden) in den mesopotamischen Gebieten Syriens, haben nicht nur die Infrastruktur der nordöstlichen Gebieten Syriens zerstört, sondern verunsicherten auch das Urvolk des Landes und treiben es noch stärker dazu aus seiner historischen Heimat auszuwandern, was auch seit vielen Jahren auch mit Duldung der syrischen Regierung und der Sicherheitsapparate passierte.

Die syrische Staatsmacht hat den irakisch- und türkischkurdischen Organisationen nicht nur Asyl angeboten, sondern auch aus politischen Gründen Unterstützt. Doch diese haben endlich ihre Ziele in Syrien entlarvt und wendeten sich gegen die syrische Bevölkerung, die Behörden und die Staatsmacht. Doch auch  gegen die einheimische Identität des Landes. Dies zeigte wie wenig loyal diese kurdische Organisationen dem syrischen Staat sind - und welche negative Energie sie gegen das Land hegen.

 

Das Urvolk des Zweistromlandes – das in seinen Ursiedlungsgebieten unter demografischer Erpressung steht –  erwartet mehr Schutz und eine harte Bestraffung der Straftäter. Doch leider im Gegenteil, haben die sonst mächtigen Sicherheitsbehörden, die Führer und viele Verantwortlichen dieser fanatischen zerstörerischen Taten freigelassen. Dies löste innerhalb der einheimischen Bevölkerung im Nordosten (El-Jazire) und unter den arabischen Stämmen, eine tiefe Entrüstung und Verdrießlichkeit aus.  

 

Die Mesopotamier, die eine Identität und eine ständige Bereicherung des Gebietes zwischen dem Euphrat und Tigris bilden, werden unter diesen Umständen weiter auswandern, und damit verliert das Gebiet seine historischen Wurzeln und das Volk seine Visionen, wenn es keine Lösungen verwirklicht wird.

 

In diesen Lösungen muss enthalten sein, eine Gewährung des Schutzes und der Sicherheit für das Gebiet und dessen Urbevölkerung[15]. Ferner muss der Wiederaufbau der Ursiedlungsgebiete und die Förderung freiwilliger Rückkehrer mitenthalten. Doch die Bewahrung der historischen Identität Mesopotamiens, bleibt eine moralische Verantwortung der Staaten des Nahostens und der Völkergemeinschaft.

Dies kann allerdings nur mit einer friedlichen Einwirkung der gesellschaftlichen, politischen und kirchlichen Institutionen dieses Volkes verwirklicht werden. 

In den Ländern in denen dieses Volk jetzt und später lebet, ist es notwendig seine Werte nicht aufzugeben. Doch mit dem Grund der Erhaltung der Werte und der Bewahrung der nationalen Identität, darf keine Parallelgesellschaften gebildet werden. Denn ihre Mitmenschen werden ihnen immer eine Bereicherung bleiben.   

 

Mit pan-mesopotamistischen Gedankenwerte, - die für die gesunde und bewusste Rückkehr zu den Wurzeln eintritt, kann die  Wiedererwachungsbewegung eine unumgängliche gesellschaftliche Bewegung der Aufklärung und der Hoffnung werden, um die Existenz dieses Volkes und die Identität seiner Heimat Beth Nahrin[16] Verständnis zu machen, damit sein Fortbestehen in seiner Heimat als eine selbständige und gleichberechtigte Nation und die Identität dieser Heimat nicht durch irgendwelche Hindernisse und Verfälschungen[17] gebremst wird. Und nur durch Aufklärung, gesellschaftlichen Fortschritt und liberalen Nationalbewusstsein, wird dies gelingen. Doch auch für die kraftvolle, gesunde und bewusste Rückkehr zu den Wurzeln.

 

Mit pan-mesopotamistischen Nationaldenken und der ostchristlichen Verbundenheit, bleibt eine wirkungsvolle Position zur Stärkung des liberaleingeprägten Nationalbewusstseins, verbunden mit einer starken und bewussten Vaterlandsliebe[18] und der Zentralität der Heimat im Leben und in den Visionen, unvermeidbar. 

 

 

Raif Toma

C21TOMA@web.de



[1] Der populäre Denker Dr. Walid Phares nennt es Syro-Mesopotamien

[2] Die Nachfahren der alten Akkader, Aramäer, Assyrer, Babylonier und Summer.

[3] Assyrer heute: Kultur, Sprache, Nationalbewegung der aramäisch sprechenden Christen im Nahen Osten; Verfolgung und Exil /Gabriele Yonan.

[4] Die Herrlichkeit Babylons,

[5] Barthel Hrouda: Mesopotamien, die antiken Kulturen zwischen Euphrat und Tigris. München  2002.

[6] Siehe  „Urhoy, die Heilige Stadt“ geschrieben vom Verfasser

[7] Auch Niniana genannt

[9] Gemeint ist hier nicht die Politik des heutigen Staates „Syrien“, sondern meint der Schriftsteller „Ibrahim Gabriel Saume“ die as-syrische Politik als mesopotamische oder den oft in Deutschland benutzten wörtlich und übersetzten „Suryoyo“.

[10] „Buch der Vorträge in der syrischen Nation“ Arabisch: „Kitab Al-Maqalt fi Aluma Assuryaniya“, Seite 140,  Ibrahim Gabriel Saume, Brasilien 1979 

[11] Die heutige Diar Bakir in der heutigen Türkei.

[12] Der Journalist Gamil Rufael schrieb: „Trotz der vielen religiös-konfessionellen Zugehörigkeiten, die es zwar eine kirchliche Vielfältigkeit verleiht, doch es nicht historisch, sprachlich sowie das Schicksal und die Sitten und soziale Traditionen trennen kann“

[13] Auch Kirchenväter äußern sich sehr besorgt über die Auswanderung

[14] Zu meist Maroniten

[15] Ohne Schutzbefohlene zu sein,  der Autor

[16] Doch auch in den geografischen Gebieten Syrien und Libanon, der Autor

[17] ´Historische und gegenwärtige demographische Verfälschungen durch starke unmoderate Medienarbeit sowie durch gesteuerte Bildung´ der Autor

[18]Die Vaterlandliebe ist kein bloßes Gefühl, erst recht kein Chauvinismus. Sie ist Gehorsam und Loyalität. Sie ist lebendige Anteilnahme am Wohl und Wehe des Volkes.....“,  Joseph Kardinal Höffner, Christliche Gesellschaftslehre II.

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 http://www.ankawa.com/forum/index.php/topic,334681.0.html  :  مأزق الهوية القومية وحيرتها المستمرة, وديع زورا 


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