Gedanken und Ansichten

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    Im Umgang mit dem neuen Weltbild 
     
     
     
    Da wir in einer weitgehend materialistisch orientierten Welt leben, deren Existenzform auf kapitalistischem Denken beruht, möchte ich mit dieser Abhandlung die Auswirkung des Materiellen auf unsere Gesellschaft, ihre Einrichtungen sowie auf die Nationale Sache unseres Volkes deutlicher machen. Die weltpolitischen Entwicklungen haben bewiesen, dass nicht nur jedes Land, sondern auch jede Gesellschaft und jede gesellschaftliche Einrichtung, die das Kapital vernachlässigt und darauf nicht achtet, sich wirtschaftlich zu entwickeln, scheitern wird.
     
     
    Die lähmende Angst vor Mangel an Kapital, Sicherheit, Identität und Ansprüchen ist im sozialen, im wirtschaftlichen als auch im politischen Umfeld wahrnehmbar. Sie  vergiftet immer deutlicher das gesellschaftliche Klima. Bei vielen Mitgliedern der ostchristlichen Gesellschaft herrscht die Meinung vor, es sei in der letzten Zeit in der Gesellschaft kein Stein mehr auf dem anderen geblieben.
    Im Laufe des letzten Jahrhunderts, veränderte sich die Situation und das Leben unseres Volkes erheblich verändert. Wir sind gewissermaßen unserer eigenen Dynamik und in anderen Teilbereichen wiederum unserer eigenen Antriebslosigkeit  zum Opfer gefallen, und können nun der Passivität oder der Streitereien, die wir uns selbst gesetzt haben, nicht mehr folgen und werden sie auch nicht mehr los. Eine Ziellosigkeit und eine Verkrampfung hinter kurzfristigen-, Schein- und Teilzeilen.
     
    Selbstverständlich sind die alten und bewahrten Werte unserer Gesellschaft wichtige Faktoren, um die nationale Identität zu erhalten, sowie um die Stabilität unserer Gesellschaft wiederzuerlangen. Doch allein Ideale und Werte, ohne den wirtschaftlichen Faktor bei der Lösung gesellschaftlicher und politischer Probleme zu berücksichtigen, ist nicht ausreichend.
    Unser Glaube gibt uns durchaus den Halt und die Kraft. Das finanzielle Kapital gemeinsam mit dem Humankapital geben uns Möglichkeiten, uns mehr zu entfalten und unsere Rechte und Visionen besser zu verwirklichen auf Diesseits. 
     
    Ein wichtiges Symptom unserer Neuzeit, ist der Bau von Kirchen; gut,.... das alles braucht  jedoch Kapital. Das Kapital zu beschaffen  ist auch möglich – und zwar mehr als was gespendet wird und doch ohne, dass soviel gespendet wird.
    Wenn wir es nur durch Gebete versuchen, kann es sein, dass wir Wunder bewirken, wenn die erzielten Kirchengebäude wirklich und vom Herzen nur zum Zwecke dienen, Gott den Allmächtigen anzubeten und zu verherrlichen.
    Leider werden große Summen an Geldern unserer Gemeinschaft in Europa oft dazu verschwendet, um die Fehlinvestitionen alter und betriebswirtschaftlich meist in diesen Belangen unwissenden Clansführern  zu unterstützen. Wo auch viele von ihnen die Fehlinvestitionen im Kirchenbau zur Selbst- bzw. Clansverherrlichung betätigen  oder in vielen Fällen sogar, um eine bestehende Gemeinde zu spalten und einen zusätzlichen Pfarrer zu ernennen. Die Abweichler und Kritiker in den eigenen Reihen, werden als antikirchlich oder sogar angeblich wegen mangelndem Glauben geächtet.
    Ist das wirklich der Wille Gottes? Wie wollen wir damit unsere verarmten und an Misswirtschaft leidenden Gemeinden in der Heimat und in den neuen Heimaten (auch Diaspora genannt) unterstützen? Können diese Projekte die Jugendarbeitslosigkeit in unserer Gesellschaft bekämpfen? Können sie dem Jugend Ausbildung anbieten? Können diese Projekte in dieser Form, die Werte und die Tugenden, dem von den Kirchen angestrebten Glauben, oder die Sitten und Gebräuche erhalten? Sind es wirklich nur die Kirchenbauten, die nicht mal der orientalischen Kirchenbauweise ähneln, die uns näher an Gott bringen und intensiver in den Sakramenten Gottesgegenwart erleben lassen und die Verheißung Jesu gedenken?
     
    Die meisten sozialen und kirchlichen Institute, werden nicht modern (bei nah sogar primitiv) und betriebswirtschaftlich falsch geleitet, so dass die Misswirtschaft und eine nicht mehr zeitmäßige Verwaltung von Kirchen- und Gesellschaftsgütern, die ziemlich instabile Gesellschaft und seine Institute wirtschaftlich und existenziell stark belasten.
     
    Diese Misswirtschaft und die falsche Verwaltung von Kirchen- und Gesellschafts-gütern, belasten unsere Gesellschaft sehr und frustrieren die jungen Menschen, so dass viele Intellektuelle und ideenreiche junge Menschen sogar resignieren und sich von diesen Praktiken distanzieren und  am Gesellschaftsleben nicht mehr teilnehmen.
    Es sind Viele zu beobachten, die der Strömung der Masse folgen und damit eine künstliche Erfüllung finden, was zu einer „Gesellschaftspleite“ führen kann.
     
    In diesem Materialismus fehlt es vielen Menschen nicht nur an Tugenden und Werten wie Patriotismus, Brüderlichkeit, Nächstenliebe, Menschenliebe, Gerechtigkeit und anderen, sondern fehlt es ihnen auch an aktivem Leben in der Gesellschaft sowie in der Gemeinde. Der Eigennutz geht immer mehr dem Gemeinnutz vor. Gerade der Charakter der jungen Generation wird am Meisten vom Konsum geprägt. Unsere Gesellschaft kann sich dadurch zu einer unorganisierten Gesellschaft von Egozentrikern entwickeln. Die kulturelle Moderne wird von den meisten Menschen eher äußerlich angenommen. 
    Dies alles kann zu einer nach innen gerichteten Aggressivität führen, die zu einer defensiven Haltung gegenüber den Traditionen sowie den Sitten, Gebräuchen und den geltenden Gesellschaftsregeln führt.
     
    Diese nah zu nicht hinterfragte und unterschätzte Situation, demonstriert eine Unsensibilität gegenüber der Zukunft. Das Fehlen der gemeinsamen und starken politischen und sozialen Strukturen, bedarf einer politischen, kirchlichen und gesellschaftlichen Reformbestrebung –und einer weiteren Lösung, nämlich die richtige Umgehungsweise mit den bestehenden materiellen und immateriellen Mitteln, sowie einen wirtschaftlichen Konzept zur Erwirtschaftung und Investition des produktiven Kapitals der verschiedenen Institute.
    Der Aktivist und Publizist Aziz Ahe beschrieb es in einem Vortrag so, dass die politische nationale Arbeit, abgeschnitten von Interessen und der wirtschaftlichen Wirklichkeit, zu keinen positiven Ergebnissen führt. Ich bin der Meinung, dass uns mit der nationalen Arbeit, unsere nationalen Interessen klar werden sollten. -Doch eine nationale Arbeit, ohne dabei die wirtschaftlichen Effekte der Gesellschaft sowie die wirtschaftlichen Interessen zu berücksichtigen, kann nicht erfolgreich ausgeführt werden.
     
    Eine bessere Organisation der Finanzen der kirchlichen und anderen sozialen Institutionen, sowie eine bessere Lenkung des Kapitals - das als Mittel zum Zweck dienen soll – ist unvermeidbar. Wenn wir uns den Materialismus vor Augen führen und dem bewusster werden, so können wir sicherlich gezielter dagegen steuern.
    Es ist zwar gut so, dass der Mensch bzw. die einzelne gesellschaftliche Einrichtung auch Eigeninteressen – ob materieller oder sonst anderer Art verfolgt, doch der Fortschritt unserer Gesellschaft ist von kollektivem Denken und Handeln abhängig. Dieser Forschritt ist ferner von dem angeborenen jedoch verborgenen Wir-Gefühl abhängig. Eine soziale Gemeinschaft kann niemals funktionieren, sofern sie ausschließlich aus Menschen besteht, die einzig ihre eigenen Interessen/Triebe verfolgen. Es ist ferner wichtig, dabei zu wissen, dass ohne unsere alten Werte und die moralischen Traditionen, sowie der notwendigen sozialen Maßstäbe, diese Gemeinschaft undenkbar ist.
    Ich befürworte daher einen „geeigneten Individualismus“[1], der sich konstruktiv mit dem Wir-Gefühl auf verschiedenen Ebenen (die Familie, der Verein, die Gemeinde, die Stadt, die Gesellschaft, das Volk, die Welt…) unterschiedlich auswirkt.
     
    Um die Gesellschaft demokratisch zu gestallten, bedarf es, die gesellschaftlichen Institutionen demokratischen Prozessen zu unterziehen. Es ist auch ein Prozess, der eine entsprechende Entwicklung und Reife voraussetzt, damit auch die Menschen mit der Demokratie an Hand von Erziehung umgehen können. Entscheidend ist auch die Mitbestimmung der Mehrheit der Menschen unserer Gesellschaft am politischen und sozialen Geschehen in der Gesellschaft und an der Entscheidung der gesellschaftlichen Gebilde in denen sie Mitglieder sind.
     
    Jesus hat uns gelehrt, uns nicht um das tägliche Brot zu kümmern, da sich unser Vater im Himmel darum kümmern wird. Auch in dem weit vom Kapital beherrschten Westen gibt es Sozialämter, die einen Menschen nicht hungern lassen, sogar teilweise besser als in der Heimat versorgt, doch ist das wirklich das, was wir erzielen wollen, wovon unsere Kinder träumen und wie viel Selbstwertgefühl gibt uns diese Abhängigkeit? Ist das wirklich das, was unsere Institutionen handlungsfähiger macht?
    Ich bin mir sicher, dass die meisten unserer Schwestern und Brüder nicht vom Sozialamt oder vom Betteln und Almosen abhängig sind. Sie kämpfen hart um das tägliche Brot, was auch positiv ist. Viele haben sogar respektable wirtschaftliche Existenten aufgebaut oder sind beruflich erfolgreich, weil sie eben tüchtige Menschen sind. Diese tüchtigen Menschen, deren Vorfahren früher auch so waren, sind bestimmt bereit, unsere Gesellschaft bei entsprechenden Konzepten und der nötigen Motivation, existenzfähig zu machen. 
     
    Notwendiger den je ist es, mit den Mitteln der Vernunft, der pan-mesopotamistischen Werte, des Patriotismus im mesopotamischen Sinne und des christlichen Glaubens, eine sittlich-humane Erziehung unserer Gesellschaft zu erzielen. Genau diese Mittel greifen auf die Quellen unseres Volkes zurück und formen Ideen zur besseren Erziehung der Menschen und bringen Perspektiven für eine bessere Zukunft unseres Volkes. Sicherlich stellt sich die patriotische und rechte Lebensführung in einer weit globalisierenden Welt als besonders schwer, doch es darf nicht unmöglich sein.
    Diese Gedanken darf nicht als antikirchliche Polemik verstanden werden, sondern sollen einen bescheidenen Anstoß geben, für eine wirtschaftliche, politische und soziale Umbildung unserer Gesellschaft. Die meisten der diversen Institutionen und Interessenverbände, die seit fast einem halben Jahrhundert viel versprachen, doch ihre Ideen oft als hohl erwiesen haben, versinken in ihrem Versagen immer tiefer. Sie zeichnen sich oft durch einseitige Auffassungen aus, die gegen die Entwicklung der Menschheit und richten sich oft gegen die wegweisenden und fortschrittlichen Einsichten aufgeklärter Menschen.
    Der Ausdruck der Tugend „Brüderlichkeit“, die sich nicht auf ein rein rationales Fundament gründen lässt, soll die Dominanz einer verbindenden Kraft (die nationale Zugehörigkeit) über die gewissen Massen trennenden Strukturen (Konfessionen, Sippen, Organisationen und Ideologien) sein.
    Vielleicht können uns diese Gedanken den Anstoß geben, unsere Nation als eine Familie zu sehen, in der sich jeder  als ein Mitglied dieser großen Familie versteht.
     
    Ein frankfurter Philosoph schrieb; „Tugenden wie Brüderlichkeit, bleiben zunächst als Vorstellung, als Idee oder als Ideal, die im Geistigen ihr Dasein führen, bevor sie wirklich werden“.
     
     
    Raif Toma
     
    C21toma@web.de
    Für Qenneshrin Mnino 03/2009


    [1] Doch kein „ungebremster Individualismus“. Marcel Pott schreibt in seinem Buch „ Allahs falsche Propheten“ dem ich auch zustimme, „andererseits stellen nachdenkliche Köpfe im Westen schon seit geraumer Zeit die Frage, ob der ungebremste Individualismus nicht das Zusammengehörigkeitsgefühl unserer Gesellschaft zerstört und unser Leben rücksichtsloser, brutaler und gefährlicher macht“.
     
     

     

     

     

     

     

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